Nachspiel: Bayer vs FC Barcelona, CL Achtelfinale 11/12

So, endlich hab ich genug Zeit und Muße gefunden für einen Rückblick auf den wohl leider letzten Auftritt der Werkself in der Champions League für längere Zeit. Bitter aber wahr. Nun gut, das Spiel wurde verloren. Und zwar schon im Dezember beim Auswärtsspiel in Genk. Ein pomadiger, selbstverliebter Auftritt der Mannschaft, die durch das damalige 1:1 den so wichtigen Gruppensieg leichtfertig verspielt hat. Muss ich noch erwähnen dass Valencia gegen Genk 7:0 gewonnen hat? Diese grandiose Leistung wurde dann folge- richtig bei der Auslosung mit dem härtesten Los bestraft. Selbst schuld Bayer. Also reiste der amtierende Champions League-Sieger und Klubweltmeister im Februar in die BayArena.  Und mal die Messitrikotgeschichte hin oder her (Lionel Messi will eh nur mit Hans Sarpei Trikot tauschen 😉 ) : der Respekt war zu groß und 20 Minuten Bemühungen um die Offensive reichen nicht gegen Barca. Sie haben ihre lichten Momente im Spiel konsequent genutzt. Das Tor von Kadlec jedoch hat gezeigt, wie sie zu knacken gewesen wären, schnelles Flügelspiel. Davon gabs nur viel zu wenig, das 3:1 in der Höhe verdient. Enttäuscht war ich vom Support, da wurde in der Sturm- und Drangphase wieder irgendein einschläfernder Dauergesang angestimmt. Das pusht natürlich, da brennt das Stadion und steht sogar der Oberrang West auf…

Also auf im März nach Barcelona. Nicht gerade die schlechteste Adresse für eine Europapokalreise, weswegen wohl auch trotz des Ergebnisses eine mehr als beeindruckende Zahl von ca. 4.000 Anhängern der Werkself mit in die katalanische Metropole fuhren. Dank der Einladung vom Bayer aufgrund meinerMitreise nach Valencia war ich einer davon. Absolut geile Sache! Morgens um kurz vor 7 gings also zum Treffpunkt Parkplatz Stelzenautobahn zur Abfahrt nach Düsseldorf. Die erleuchtete BayArena grüßte die hoffnungsfrohen Fans.

Der Check-In am Flughafen Düsseldorf war dann nicht mehr ganz so malerisch. Ich stand gefühlte drei Stunden und tatsächlich etwa eine an, meine Zeit am Counter betrug dann so 2 Minuten. Systemabstürze sind bei ner größeren Menge an Fußballfans eher problematisch. Aber immerhin stimmte das Ziel:

Nach einem ereignisreichen Flug gings dann per Bus in Richtung Innenstadt. Perfektes Wetter und die Kolumbussäule am Hafen begrüßten die mitgereisten MeisterJäger.

Christoph Kolumbus wies den Weg: „Dort draußen liegt der Weg nach Indien, und der Bayer braucht nur noch vier Tore!“ Zum Glück diente die Säule auch als Ausgangs- punkt für die Pracht- und Bummelstraße La Rambla, die uns in die Metropole und einen Teil der Gruppe zu ihrem Hotel brachte. Dort versorgten wir uns erstmal im nächsten Supermercado, bevors dann weiter durch die Straßen Barcelonas ging. Der Magen meldete sich auch zu Wort und so suchten wir uns eine örtliche Speisenlokalität zu einem leckeren Mittagessen. Wie sich das für echte Fußballfans des Vereins gehört, dessen Chef einem im Stadionkurier stets „Auf einen Espresso“ einlädt, machten wir das etwas stilvoller als man denken mag:

 

 

Mmmm…lecker lecker!

Danach gings ab zur „Placa de Catalunya“, dem zentralen Treffpunkt der Bayer-Fans – sowie aller fliegenden Ratten der Stadt. Widerlich! Der Mob war jutt druff, örtliche Kunst wurde erstmal mit Vereinsutensilien verziert und die Ordnungshüter schauten dem bunten Treiben passiv zu. Gegen sechs machten sich die meisten auf zu den Bussen, die zum Stadion fuhren.

Wir entschieden uns teilweise dagegen, wurden dann aber von der „policia“ bestimmt vom Platz wegkomplimentiert. Also auf zur nächsten Metrostation und ab zum größten Fußballstadion Europas. Das Camp Nou ist wirklich ein beeindruckender Kasten, jedoch nur von innen. Die äußere Fassade ist halt nur ne hohe graue Wand. Nach dem erklimmen des Mount Everest unter den Stadien, dem vierten (oder dreieinhalbten) Rang des Camp Nou bot sich mir folgender atemberaubender Anblick:

Einfach nur Wow. Über den Dächern der Stadt zu stehen, wirklich berauschend. Was für ein Ausblick, was für ein Anblick. Sind die vor einigen Jahren angedachten Umbaupläne auch eine klare optische Verbesserung des Camp Nou würde man doch dieses Erlebnisses beraubt. Aber wir waren ja nicht nur zum staunen über gigantische Stadienarchitektur gekommen. Es galt ja auch noch an das „Wunder von Barcelona“ zu glauben. Was hab ich mir alles erhofft im Vorfeld. Ein Team, das nichts mehr zu verlieren hat, das einfach nur fußballspielen will gegen die unbestreitbar beste Mannschaft der Welt, das Einsatz zeigt, Kampf, Aggressivität, wo man einfach mal in den ersten Minuten seinen Gegenspieler weggrätscht um zu zeigen wo es heute langgeht. PUSTEKUCHEN!  So harmlos und voller Angst hätte ich mir den Bayer nichtmal in meinen schlimmsten Alpträumen vorstellen können. Keine Gegenwehr, keine Torschüsse, keine Initiative. Und so kam es halt wies kommen muss. Galavorstellung von Barca, die die anwesenden 75.000 (stattlich stattlich) in pure Entzückung versetzte, was bei den Katalanen ja eher schwierig ist. Kürzlich erst habe ich in „Fever Pitch“ von Nick Hornby gelesen, wie schwer es ist, als Fan eines Vereins Fußball für das Spiel an sich genießen zu können. Nämlich gar nicht. Was soll man sagen, der Mann hat recht. Was Barca und vor allem Messi gegen uns gezaubert hat war unerreichtes Weltniveau. Ein Klassenunterschied wie in einem Erstrunden-DFB-Pokalspiel. Genau daran hab ich mich erinnert gefühlt, nur leider nicht an ein Champions League Achtelfinale. Was auch immer die Werkself im Vorfeld getönt hat, auf dem Platz war selbst aus der Höhe nichts davon zu sehen. Stattdessen halt Messi, Messi, Messi, Messi, Messi und der Rest von Barca. Hier fällt grad das 5:0, das Publikum ist aus dem Häuschen:

Nach allem was ich bisher über das Operettenpublikum im Camp Nou gelesen habe war dies wohl eines der seltenen Spiele, die das ganze Stadion in frenetischen Beifall versetzten. Was Fangesänge und sehbaren Support angeht ist das nicht grade hochklassig, was da im Stadion abgeht. Auch wenn das riesige Rund naturgemäß viel schluckt. Dennoch: es gab sogar La Olas! Kompliment an den Bayer-Block: da hat man sich nur kurz hängen lassen und sich dann nen Spaß am Erlebnis gemacht. Unser Support hat sogar den Beifall der unteren Ränge erhalten. Das nenn ich mal ein Ausrufezeichen, sowohl quantitativ als auch qualitativ waren wenigstens die Fans auf Champions-Niveau. Das Tor von Bellarabi löste sogar einen gewaltigen Jubelsturm aus und am Ende wurde die Mannschaft unverdienter- weise mit Beifall verabschiedet.

Nach einer Blocksperre, die nochmal tolle Impressionen vom leeren Stadion lieferte trennten sich die Wege derer, die noch in Barca blieben und den Tagesreisenden. Im Bus zurück zum Flughafen machten sich noch manche Fans Gedanken, wie dieses Spiel wohl mit vergangenen Bayer-Stars wie Pascal Zuberbühler, Jörg Reeb, Markus Feldhoff, Ramon etc ausgegangen wäre. Da hätte sich Barca warm anziehen müssen! Um kurz vor 4 ging dann auch der Flieger zurück in die Heimat. Böse Klatsche kassiert, tolle Reise gemacht. Ich hoffe sehr, dass der Bayer den Weg in die europäische Königsklasse baldigst zurückfindet. Damit es nicht auf ewig heißen muss „Und in Glasgow warn wir schon…“ !

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Über Jan-Christoph

Mein Bayer-Leverkusen-Blog: https://vizemeister.wordpress.com
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Eine Antwort zu Nachspiel: Bayer vs FC Barcelona, CL Achtelfinale 11/12

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