2002: Und in Glasgow war er schon

Arsenal, Manchester, Liverpool FC –

LEVERKUSEN beat them all and gained the victory!

(c) by Vizemeister 2002

Mein bester Kumpel „DasRo“ war damals live vor Ort in Glasgow. Anlässlich des Jubiläums habe ich ihn zu seinen damaligen Erlebnissen aus erster Hand befragt. Danke schön dafür!

Was fällt dir als erstes ein, wenn du „Glasgow 2002“ hörst?

Eine flache Stadionschüssel und eine schottische Bevölkerung mit Leverkusen-Schals.

Wie schnell fiel nach dem unglaublichen Halbfinale gegen ManUnited die Entscheidung, selbst zum Finale zu fahren? Und war es leicht für dich, das in die Tat umzusetzen, z.B. erstmal an ein Ticket zu kommen? Allein die Nachfrage danach muss doch enorm gewesen sein, in den Hampden Park passen ja nur 52.000 rein.

Noch in der Nacht. Da ranzukommen war dann letztlich problemlos. Unser Fanclubvorsitzender hat angerufen und zwei Tickets samt BayTravel-Flug gebucht. Meines Wissens waren die Finaltickets peinlicherweise nichtmals ausgeschöpft worden…

Champions League Finale mit dem Bayer, gegen die „Galaktischen“ von Real Madrid und man selber ist live dabei – was war das für ein Gefühl?

Man weiß schon während dieser Sekunde, dass es etwas Historisches ist. Zugegeben. Wenn man in drei Finals steht und „Europas Trainer des Jahres“ stellt, geht man davon aus, dass man in den nächsten 5 Jahren vielleicht noch ein Mal in einem CL- oder Uefa Cup-Final steht … dass es wohl tatsächlich „once in a lifetime“ war, ist im Nachhinein zwar bitter, macht die Entscheidung, hingefahren zu sein, aber nur umso wertvoller.

Das Spiel fand ja mittwochs statt-wie war die Reise in den hohen Norden Schottlands und wieder zurück?

Morgens hatte ich damals mündliche Abiturprüfung. Extra für mich auf Antrag auf 7 Uhr morgens verlegt. Um 9.30 Uhr ging schliesslich mein Flieger. Lief alles problemlos. Zurück haben die feiernden Madrilenen leider alle Abflüge blockiert und wir hatten 3 Stunden Verspätung und mussten auf dem Gepäckband schlafen. Nach einem Sieg wäre das sicher weniger nervig gewesen 🙂 (Anm. Tatsächlich herrschten auf dem Flughafen von Glasgow kaum zumutbare Bedingungen, wie man auch in anderen Berichten lesen kann)

Welche Eindrücke hast du von der Stadt gewonnen?

Kaum welche. Wir waren kurz im historischen Kern. Aber da war alles so dominiert von diesem Spiel. Ein überfüllter Pub neben dem anderen, schon mittags.

Welchen Eindruck hat der Hampden Park als damaliger Finalspielort auf dich gemacht, und was gabs zu futtern in der Halbzeit?

Einen miesen. Vielleicht einer der un-glamourösesten Endspielorte des Jahrzehnts haben wir da erwischt. Eine flache, veraltete Schüssel mit Zugängen am oberen Ende. Essen konnte man kaum bekommen, da die Relation Besucher/Stände ungünstig war. Das Stadion war sicherlich an einem perfekten Tag eines von zwei Dingen, die nicht so prächtig waren (das andere war das Ergebnis).

Wie war die Atmosphäre im Stadion, wie die Stimmung vor, während und nach dem Spiel bei den Leverkusenern? Hat man noch etwas von der verlorenen Meisterschaft und dem DFB-Pokalfinale gespürt?

Ja klar, es hat bis etwa 10 Min vor Anpfiff gedauert, bis das Prickeln kam. Diese „Bitte, bitte nicht alle drei Titel verzocken“-Anspannung war allenthalben spürbar. Im Spiel kippte es dann in die Euphorie, wie sie die ganze Saison geherrscht hatte. Das 1:0 von Raul (oder von Butt, je nachdem, wie zynisch man ist) hat eigentlich nur „Jetzt geht’s los“-Rufe provoziert. Und die 20 Minuten Dauerbeschuss gegen Ende waren der Hammer. 20’000 Bayer-Fans und 5’000-10’000 neutrale Zuschauer haben die Schüssel zum Beben gebracht … aber den Ball leider nicht an den magischen Händen den jungen Ersatztorhüters Iker Casillas vorbeigetragen.

Und wie sahs auf der Gegenseite bei den Madrilenen aus?

Lasch. 15 Minuten nach Pokalübergabe war der Block halbleer. Man hatte das Gefühl, dass es denen egal war…

Die Mannschaften: auf der einen Seite Zidane, Figo, Raul, Roberto Carlos…auf der anderen Zivkovic, Sebescen, Neuville und Ramelow. Weltstars vs (hauptsächlich) Allerweltsstars. Was denkst du, woran lag es das das Spiel dennoch so unglaublich knapp war?

Ne so sehe ich das nicht, auf der anderen Seite war eine Generation etwa 1 Jahr über ihren Zenith und bei uns standen kommende Stars der Weltmeisterschaft wie Schneider, Ballack, Neuville, Ze Roberto und Lucio im Aufgebot.

Wer war für dich der stärkste Mann auf dem Platz?

Bastürk bei uns und Casillas bei Madrid.

Und wer der schwächste?

Butt und Roberto Carlos.

Wie hast du die Schlüsselszenen(die Tore sowie die letzten 20 Minuten) erlebt?

Zur Schlussphase hab ich ja schon was geschrieben. Das 0:1 – ich hab den Ball in Zeitlupe aufs Tor laufen sehen und noch gedacht: „Ist abgepfiffen? Wieso nimmt Butt den denn nicht?“ und dann jubeln alle und ich fühlte mich wie im falschen Film. Im TV hab ich später gesehen, der Ball war wirklich der wohl haltbarste Treffer in einem CL-Finale. Das „Supertor“ von Zidane war zwar exzellent technisch gemacht. Aber a) kann man das besser verteidigen, der Ball voprher war eine Kerze, da darf Zidane nicht so frei zum Schuss kommen und b) hätte ein Oliver Kahn, den Ball wohl gehabt. Der schlägt nämlich 30 cm rechts neben der völlig regungslosen rechten Hand von Jörg Butt ein. Null Reflex. Bei einem Schuss aus 15 Metern darf man den aber erwarten. Meine Meinung.

Was war für dich persönlich das absolute Highlight der Glasgow-Reise?

Die Champions League-Hymne beim Einlaufen und die letzten 20 Minuten, in denen wir gewirkt haben wie 2012 Barcelona gegen Chelsea. Mann, was war ich da stolz auf unser Team. Da haben wir 500 Mio. Zuschauern gezeigt, dass wir völlig zurecht im Finale stehen.

Ich hab mich jahrelang sehr schwer getan damit, über das Spiel irgendwie hinwegzukommen. Wie bist du mit der Niederlage umgegangen?

Recht schnell. Ein Einzelspiel gegen Madrid kann man mal verlieren. Mir hing die vergeigte Meisterschaft viel mehr nach.

Welche Andenken sind dir von damals geblieben?

Eintrittskarte, Schal, Zeitungsartikel vom nächsten Morgen.

Wie denkst du heute, 10 Jahre später über das Spiel und die gesamte Saison 2001/02?

DIE Benchmark, nicht zu toppen. Es kommen einem die Tränen, wenn man sieht, was wir da mit jedem einzelnen Spielzug zelebriert haben. Das haben wir nie mehr wieder erreicht. Nichtmals phasenweise.

Damit endet mein Rückblick auf das Finale 2002. Jedes Finale schreibt seine Geschichte. Dies war unsere.

Copyright der Fotos lev-rheinland.de(1), austria80.at

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Über Jan-Christoph

Mein Bayer-Leverkusen-Blog: https://vizemeister.wordpress.com
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